Aktuelle Entwicklungen auf den Rohstoff- und Energiemärkten
von Food Cluster Hamburg
So kann die Lebensmittelbranche mit den aktuellen Entwicklungen auf den Rohstoff- und Energiemärkten umgehen
Kriege, Corona und der Klimawandel sind drei der Gründe, warum es in den letzten Jahren immer wieder zu erheblichen Preisschwankungen und Versorgungsengpässen bei Rohstoffen und der Energieversorgung gekommen ist. Die allgemeine Weltlage bleibt unvorhersehbar, doch Unternehmen aus der Lebensmittelbranche können Vorkehrungen treffen, um in Krisenzeiten gewappnet zu sein.
Energiepreise auf Achterbahnfahrt
Kürzlich hatte das Food Cluster Hamburg zu einem Workshop mit der Überschrift „Aktuelle Entwicklungen an den Rohstoffmärkten und bei den Energiepreisen“ eingeladen. Referent war Carsten Fritsch, renommierter Experte aus dem Rohstoff-Analyse-Team der Commerzbank. Ein Thema war dabei die Entwicklung des Ölpreises in den vergangenen Wochen und Monaten. Der erreichte zwischenzeitlich Höchstwerte von deutlich über 100 US-Dollar pro Barrel und ist nach wie vor erheblichen Schwankungen ausgesetzt, abhängig vom aktuellen Tagesgeschehen. Ob und wann es zu einem dauerhaften Frieden im Nahen und Mittleren Osten kommt und die für den Schiffsverkehr so wichtige Straße Hormus wieder gefahrlos passierbar wird, ist schwer zu prognostizieren. Nach der Einigung auf ein Rahmenabkommen gibt es allerdings berechtigte Hoffnung, dass dies in den kommenden Wochen erfolgen könnte, weshalb der Ölpreis zuletzt stark gefallen ist.
Welche Lehren lassen sich daraus ziehen? Für Europa heißt das, auch in Zukunft das Unerwartete zu erwarten und sich möglichst unabhängig von Importen aus Krisenregionen zu machen. Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist da ein Weg. Unternehmen, ob aus der Lebensmittelbranche oder anderen Bereichen, haben auf die Entwicklung kaum Einfluss und können nur bedingt Gegenmaßnahmen ergreifen. Eine Möglichkeit wäre, bestehende Produktionsprozesse auf den Prüfstand zu stellen und energiesparende Alternativen zu entwickeln. Im Einzelfall kann auch die zumindest teilweise Selbstversorgung etwa durch eine Photovoltaikanlage eine sinnvolle Überlegung sein.
Viele Entwicklungen auf Rohstoffmärkten lassen sich vorhersehen
Wesentlich konkreter können sich Lebensmittelunternehmen auf Preisschwankungen und Engpässe bei der Versorgung mit Rohstoffen vorbereiten. Eine hohe Volatilität war zuletzt unter anderem bei Weizen, Zucker, Kakao und Kaffee zu verzeichnen. Das hat zum Teil auch mit dem Krieg im Mittleren Osten zu tun. Denn die Schließung der Straße von Hormus führte zu einer Verteuerung von Stickstoffdünger. Die Zollpolitik des US-Präsidenten sorgte ebenfalls für Volatilität. Oft liegt es aber auch am Klimawandel oder periodisch auftretenden Phänomenen wie El-Niño, die Einfluss auf die Ernteergebnisse haben. Seriöse Quellen wie das US-Landwirtschaftsministerium, der International Grains Council oder Nachrichtenagenturen wie Reuters und Bloomberg bieten regelmäßig Berichte, die Rückschlüsse auf zukünftige Entwicklungen zulassen.
Die Auswertung solcher Quellen sollte dem Ziel dienen, eine möglichst hohe finanzielle Stabilität zu erreichen. Das gilt sowohl für die internen Kosten als auch für die Preisgestaltung bei den Produkten. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher haben mit der Inflation gerade bei den Nahrungsmittelpreisen zu kämpfen und reagieren bei großen Sprüngen mit Kaufzurückhaltung, wie sich beispielsweise bei Schokolade beobachten ließ.
Um Abhängigkeiten von kurzfristigen Entwicklungen zu vermeiden und Versorgungsengpässe zu antizipieren gibt es zwei wesentliche Maßnahmen:
Vorräte anlegen
Viele Rohstoffe haben eine lange Haltbarkeit. Es ist also sinnvoll, sich bei niedrigen Preisen einen Vorrat anzulegen. Voraussetzung dafür ist eine entsprechende Lagerkapazität. Ist die nicht vorhanden, stellt die Schaffung zusätzlichen Raums zwar vorübergehend eine finanzielle Herausforderung dar, die sich aber als Investition in die Zukunft langfristig lohnen könnte.
Lieferketten überprüfen
Bei den Lieferketten gibt es gleich mehrere Stellschrauben. Die wichtigste ist Diversifizierung, also den Bezug der Rohstoffe aus verschiedenen Quellen und von mehreren Lieferanten. Das kann zu etwas weniger günstigen Konditionen führen als bei einem Großauftrag an nur ein Unternehmen, verringert aber die Abhängigkeit. Die Diversifizierung kann sich sowohl auf einzelne Partnerunternehmen als auch auf Herkunftsländer beziehen. Hier gilt es auch zu prüfen, ob regionale Quellen den Bedarf zumindest teilweise decken können. Ein weiterer Faktor bei der Betrachtung der Lieferkette ist deren Komplexität. Je mehr Glieder sie umfasst, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass dort eine Schwachstelle auftreten könnte. Hier gilt es, kürzere, einfachere Wege zu finden. Das steht nur scheinbar im Widerspruch zur gerade empfohlenen Diversifizierung, denn hier geht es darum, die vorausgehenden Lieferketten der Partnerunternehmen zu analysieren.
Fazit
Die Lebensmittelbranche muss bei ihrer Finanzplanung gleich zwei besonders volatile Märkte im Blick haben, nämlich die für Energie und Agrarrohstoffe. Bei vorausschauender Planung und auf Langfristigkeit ausgereichten Maßnahmen sind auch Krisenphasen gut zu bewältigen.