Food-Trends auf Social Media – reagieren oder ignorieren?
von Food Cluster Hamburg
Food-Themen spielen in den sozialen Medien eine große Rolle. Aktuelle Trends gehen schnell viral und beschäftigen ein riesiges Publikum, oft allerdings nur für kurze Zeit. Für Lebensmittelunternehmen stellt sich daher die Frage: Soll ich auf solche Trends reagieren – oder kann ich sie ignorieren? Dieser Beitrag gibt einige Antworten.
Als plötzlich alle Pudding mit der Gabel aßen
Im Sommer 2025 machte auf TikTok die Idee die Runde, Pudding mit einer Gabel zu essen. Was als Spaßveranstaltung in Karlsruhe begann, weitete sich zu einem bundesweiten Gemeinschaftserlebnis aus, das vereinzelt sogar bis in die USA hinüberschwappte. Bei manchen Events kamen über 1.000 Personen zum Puddingessen zusammen. Die Berichterstattung ging weit über die üblichen Social Media-Kanäle hinaus und Puddinghersteller erhielten indirekt reichlich Werbung, ohne auch nur einen Cent dafür ausgeben zu müssen. Die Supermarktkette Lidl nutzte den Trend, indem es einen Pudding seiner Eigenmarke Milbona mit einer Gabel abbildete.
Ein Phänomen dieser Größenordnung lässt sich nur selten beobachten. In diesem Fall wurde ein eher unspektakuläres und nicht als innovativ eingestuftes Produkt plötzlich zum Liebling der Generation Z (Jahrgänge 1995 bis 2010), die mit klassischer Werbung oft gar nicht mehr erreichbar ist. Dabei ging es in erster Linie gar nicht um den Pudding selbst, vielmehr standen die Gruppendynamik und die harmlose Absurdität der Handlung im Vordergrund, eine Art milder, ironischer und unpolitischer Protest gegen Konventionen. Unternehmen können solche Trends in ihrer Kommunikation gewinnbringend aufgreifen, wenn sie die Mechanismen von Social Media verstehen und die Sprache der jungen Generation sprechen. Eine solche Kampagne muss nicht inhouse konzipiert werden; es gibt inzwischen genügend Agenturen, die sich damit auskennen.
Aufstieg und Fall der Dubai-Schokolade
Ein anderer Trend, dem medial kaum zu entkommen war, ist die Dubai-Schokolade. Die mit Pistaziencreme und Kadaifi genannten feinen Gebäckfäden gefüllte Schokolade entstand tatsächlich in dem arabischen Emirat und wurde Ende 2023 durch das TikTok-Video einer Food-Influencerin bekannt. Der Clip ging viral und sorgte in der Folge weltweit für einen Boom. Im Deutschland erreichte der im Herbst 2024 seinen Höhepunkt. Dubai-Schokolade galt es begehrenswertes Luxusprodukt, für das die Menschen Schlange standen und das in Windeseile ausverkauft war. Bald aber kippte die Stimmung. Kritisiert wurde vor allem der hohe Preis – zehn Euro und mehr für eine Tafel waren keine Seltenheit – und die zum Teil fragwürdige Qualität.
Die Frage, ob und wann Unternehmen auf einen solchen Trend aufspringen sollten, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Internationale Hypes haben ihren Anfang selten in Deutschland und häufig in den USA. Sorgt dort ein neues Produkt für Aufsehen und Umsätze, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es auch hierzulande in die Supermärkte kommt. Wer dann als erster am Point of Sale zu finden ist, kann zu den Gewinnern zählen. Ein solcher Markteintritt, der mit einer aufmerksamkeitsstarken Werbekampagne verknüpft werden sollte, ist allerdings kostspielig und somit nicht ohne Risiko. Nicht jeder US-Trend lässt sich auf den deutschen Markt übertragen. Das alkoholische Getränk Hard Seltzer beispielsweise hat hierzulande nie wirklich den Durchbruch geschafft. Zudem muss das neue Produkt zu einer bestehenden Marke passen. Dubai-Schokolade eignet sich kaum für Anbieter preisgünstiger Massenware, sondern für Marken, die von vornherein im hochpreisigen Segment verortet sind.
Die Pistazie ist der Gewinner des Dubai-Hypes
Die Dubai-Schokolade ist nicht gänzlich aus den Supermarktregalen verschwunden und erlebt gelegentlich neue Produktvariationen, der Hype ist aber definitiv vorbei. Trotzdem hat er einen längerfristigen Effekt dank einer speziellen Zutat: der Pistazie. Die grünliche Nuss erfreut sich nach wie vor steigender Beliebtheit, nicht nur pur als Knabberei, sondern als Zutat in einer immer länger werdenden Liste von Produkten. Sie wird zu Frühstückscreme verarbeitet und zu Pesto, man findet sie in Müsliriegeln und Getränken und natürlich in vielen Arten von Süßigkeiten. Der Umsatz mit Pistazienprodukten im Lebensmitteleinzelhandel hat sich in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt: Von 170 Millionen Euro im Jahr 2021 stieg er auf 374 Millionen Euro im Jahr 2025, wobei der Anstieg 2025 von 48 % gegenüber dem Vorjahr besonders hoch ist. Hier macht sich eindeutig der Dubai-Hype bemerkbar. Viele Unternehmen haben offensichtlich erkannt, was tatsächlich dahintersteckte, nämlich die Freude am Geschmack – und auch der Farbe – einer kleinen Nuss aus dem Orient.
Grün wie Matcha – oder lieber lila wie Ube?
Auch Matcha hat seinen Ursprung in Asien, genauer gesagt in Japan. Der Aufstieg des zu Pulver vermahlenen Grüntees ist keinem plötzlich auftretenden Internet-Hype zu verdanken, sondern vollzieht sich schrittweise. Einige Trenddetektive sagen Matcha für 2026 den endgültigen Durchbruch in den Massenmarkt voraus, und tatsächlich ist das grüne Pulver als Zutat längst nicht mehr nur in Heißgetränken zu finden, sondern beispielsweise auch in Eiscreme oder Schokolade.
Andere behaupten, Matcha habe seinen Zenit überschritten und die Yamswurzel Ube sei das nächste große Ding. In den USA hat Starbucks einen Ube-Drink im Angebot, und auch in deutschen Cafés ist das von den Philippinen stammende Knollengewächs bereits gesichtet worden. Zu übersehen ist es jedenfalls nicht: Statt grün wie Matcha ist Ube lila. Das Auge isst und trinkt bekanntlich mit. Ob Ube sich wirklich durchsetzen wird oder ein Strohfeuer bleibt, ist noch nicht abzusehen. Matcha ist auf jeden Fall schon etablierter und hat das Potenzial, sich langfristig einen Platz im deutschen Markt zu sichern.
Fazit
Lebensmittelunternehmen, die in jungen Zielgruppen erfolgreich sein wollen, sollten das Geschehen in den sozialen Medien auf jeden Fall im Auge behalten. Trends wie das Puddingessen mit der Gabel lassen sich erfolgversprechend aufgreifen, wenn das Gespür für die richtige Ansprache vorhanden ist. Mit mehr Risiko behaftet ist die Produktneueinführung aufgrund eines Internet-Hypes. Der kann schnell vorbei sein und die vermeintliche Innovation ist plötzlich Schnee von gestern. Das Beispiel der Dubai-Schokolade und der Pistazie zeigt, dass der direkte Weg nicht immer der beste ist und manchmal eher die Abzweigung zum Erfolg führt.
Quelle Pistazien: https://yougov.com/de-de/artikel/54173-deutsche-knabbern-pistazien-am-liebsten-pur